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MILCHBOYKOTT

04.06.2008, 02:08

Habt ihr auch schon was von dem Milchengpass festgestellt?
Es ist ja wirklich so. Ich war in verschiedenen Discountern, u.a. Plus und Aldi, und mußte feststellen, dass zumindestens die 1,5 % Fettstufe ausverkauft war. Von der 3,5%igen gab es noch ein paar Kartons.
Nun habe ich auch noch gelesen, dass sich die ausländischen Milchbauern mit den deutschen teilweise solidarisieren.
Nur die Biomilch wird vom Streik verschont bleiben, da die Milchbauern dafür ohnehin mehr Geld bekommen.
Was sagt ihr dazu?

:roll:

04.06.2008, 02:08

05.06.2008, 08:51

Naja ich hoffe die Einigung kommt recht schnell, da ich in der Woche ca. 3-4 liter Milch trinke...

Schätze aber dass zur Not wohl die Milch ausm Ausland kommt, bevor Müller etc. aufhört, zu produzieren.

Gruß, Ronny

05.06.2008, 14:24

Also um Verständnis mit den Milchbauern zu haben, soll mir mal einer plausibel darlegen, wieviel der Milchbauer derzeit verdient. Denn nur weil einer (oder viele) schwätzen, sie hätten nix zum Leben, heist das noch gar nichts. Wenn es mir einer schwarz auf weiß zeigt, kann ich mir ein Urteil bilden.

Die Landwirte sind ganz besonders groß im jammern. Deshalb bin ich da etwas skeptisch.

Ich selber bin übrigens auch immer der Meinung, zu wenig zu verdienen. Aber wen interessiert es? Und mein Chef macht nichts dagegen. Klar. Ich könnte gehen. Geht der Bauer? Ne! Ich auch nicht. Also darf ich nicht jammern. Der Bauer auch nicht. ;-)

Ansonsten gilt: Globalisierung. Wir verschiffen Milch in den Asiatischen Raum. Warum holen wir nix aus den USA???? Oder sonst wo her.

05.06.2008, 20:03

bouncer hat geschrieben:Also um Verständnis mit den Milchbauern zu haben, soll mir mal einer plausibel darlegen, wieviel der Milchbauer derzeit verdient.
Ich selber bin übrigens auch immer der Meinung, zu wenig zu verdienen. Aber wen interessiert es? Und mein Chef macht nichts dagegen.


Da kann ich dir nur zustimmen, wo soll das noch enden? Im Prinzip hätte so gut wie jeder Arbeitnehmer Grund genug in Streik zu treten - schließlich steigen nicht nur bei den Bauern die Kosten und die Verdienste werden gleichzeitig weniger. Außerdem halte ich das provozierende und demonstrative Milchwegschütten für moralisch höchst bedenklich. Eine solidarische Haltung kann ich so jedenfalls nicht einnehmen.

18.06.2008, 12:16

Ich selber bin froh das es jetzt inzwischen wieder alle Varianten von Milch gibt.
Ich durfte diese tolle Aktion durch meinen Job in vollem Maße ausbüglen. Ich bin Marktleiter bei einem eher unbekannten Lebensmitteldiscounter und konnte das Wort Milch nach 3 Tagen nicht mehr hören.

Das viele Menschen von diesem Boykott nicht viel mitgekriegt haben lag daran, das es "nur" regional vereinzelte Molkerei recht heftig getroffen hat.

Mein Markt liegt/gehört zur EDEKA Minden Hannover, die Ihr Lager in Minden haben, welches von der Molkerei in Rehburg beliefert wird.

Genau diese Molkerei traf es am heftigsten in Norddeutschland. Dort wurden über 3 Tage hinweg alle Ein- und Ausfahrten blockiert.

Dementsprechend gab es für uns nicht viel Milch.
Man hat versucht das schlimmste abzuwenden, indem Milch aus Magdeburg kommisionierte. Die hat natürlich auch nicht lange gehalten, da alle Einzelhändler das machen, was man genau bei so einem Problem nicht machen sollte, Hamsterkäufe.

Wir als Marktleiter wurden aufgefordert dieses auch zu machen, kam nur leider zu spät.

Das Ende der Geschichte ist: Ich habe gestern das erste mal seit 2 Wochen wieder H Milch geliefert bekommen.

Zur Ursache dieser ganzen Geschichte habe Ich folgende Meinung:
Solche Streiks und Lieferengpässe lassen Sich vermeiden durch zufriedene Milchbauern. Zufriedene Milchbauern sind dann zufireden, wenn das Geld stimmt.
An dieser Stelle wird der Einzelhandel immer als Buhmann hin gestellt. Bezahlt werden die Bauern allerdings von den Molkereien.
Der Einzelhandel verhandelt die EK Preise für Milch und andere Produkte oder auch Grundnahrungsmittel monatlich neu.
Und wie aus vielen internen Berichten des Einzelhandels hervor geht, tuen das die Molkereien nicht gerade so, als wollten Sie den Bauern was gutes tuen.
Über den Preis bestimmen Wir alle letzendlich selbst.
Da ja fast jeder fleißig von den Harddiscountern (Aldi, Lidl und Co) gelernt hat mit dem Vorsatz einkaufen zu gehen und nichts dafür bezahlen zu müssen, werden solche Streiks bald zur Tagesordnung.

Esliegt an uns selbst, was andere verdienen und was wir verdienen.

Wenn diese Geiz ist geil Einstellung nie Einzug gehalten hätte in die heutige Zeit, dann würde es sehr viel besser aussehen.

20.06.2008, 14:54

Durch immens gestiegene Lebenshaltungskosten in den letzten Jahren sind viele Verbraucher gehalten, noch mehr auf den Cent zu schauen als das vielleicht vor 10 Jahren so war.
Wie, bitte, kommst Du darauf, das Geiz geil ist? Die Löhne steigen kaum, aber alles andere. Bei EDEKA z.B. einzukaufen bedeutet grundsätzlich für noch mehr Kohle, noch weniger im Einkaufswagen zu haben.

Im übrigen bin auch ich zufrieden, wenn das Geld stimmt. Aber genauso wie die Milchbauern, habe auch ich die letzten Jahre NICHT mehr im Portmonnaie!

So Sprüche wie "Geiz ist Geil", weil man auf sein Geld achtet, kann ich gar nicht ab haben.

Warum sollte ich mir diktieren lassen, bei wem ich die Milch kaufen soll, oder nicht. Jeder kann und soll dort kaufen wo er will.

Mich würde immer noch interessieren, was ein Milkyway-Bauer verdient.


Übrigens gab es auch diesen "Geiz ist Geil" Hype, als es um die Bespitzelungen ging bei Lidl. Da wurde gesagt, wer bei Discountern einkauft, fördert das. Was ein Quatsch! Und was kam zum Schluss raus? Auch EDEKA hat bespitzelt.

20.06.2008, 19:14

Ich selber stehe nicht hinter der These oder dem Motto Geiz ist geil.

Und schon gar nicht kann Ich jemanden vorschreiben wo er seine Milch zu kaufen hat.
Das das Geld immer knapper wird ist auch an Mir nicht vorbei gegangen, Ich bin selber Otto Normal Verdiener, am Alter gemessen verdiene Ich zu viel, was aber noch lange nicht heißt das Ich das deswegen schreibe.

Was das einkaufen bei EDEKA angeht: Tätige deinen Einkauf mal bei Aldi und hinterher noch mal bei EDEKA, wobei aber zu beachten ist das man nur Eigenmarken kauft.
Man kommt auf einen ähnlichen Betrag.

Mir selber gehts beim Einkaufen genau so.

Wenn Ich zu Kaufland einkaufen fahre und nicht gezielt darauf achte was Ich kaufe, bezahle Ich auch 80 statt 50 Euro!

Früher oder später wird es wieder einen Milchboykott oder ähnliches geben, weil die Einzelhändler und der Großhandel dem Kunden nachgeben muss, dem immer alles zu teuer ist.

Um auf das "spitzeln" einzugehen:

Wenn man selber einen Führungsposten in einem Markt hat, sollte man folgendes beachten was das spitzeln angeht:
Durch die Installation von Kameras in bestimmten Bereichen lässt sich großer Schaden vom Unternehmen verhindern.

Stell Dir vor du bist Marktleiter in einem Markt, deine Inventur z.B. im Leergut ist ein Katastrophenalarm.
Der Markt hat keine Kameras, du verlierst deinen Job. Nachdem du gegangen worden stellt Sich heraus, das eine Kassiererin jeden Tag selber 5 Euro Leergut ausgezahlt hat.
........................

Im Einzlhandel wird die Leistung eines Marktleiters am Umsatz und am Ergebnis der Inventur fest gemacht.

21.06.2008, 18:29

Im Spiegel Online (oder so) war schon vor der ganzen Geschichte ein sehr interessanter Artikel über das Thema. Darin stand, das die Bauern bei der Preiserhöhung anfang des Jahres keinen Cent mehr gesehen haben. Das Geld haben sich die Molkereien selber eingesteckt. Darin stand als die Discounter den Preis senkten, das die Molkereien, die den Preis nicht runtergenommen haben und so taten, als wenn den Bauern das zugute kommt, das die das alles in Ihre eigene Tasche stecken.

23.06.2008, 08:47

Hallo Slix,

du hast recht. Achtet man auf Eigenmarken, zahlt man unter dem Strich ziemlich das gleiche. Aber: Beispiel Eigenmarke Prinzenrolle (Doppelkekse). Habe ich nämlich jetzt gerade die Tage gehabt. Ich war im REWE, und OK: die Doppelkekse lächelten mich an. Zack war die Eigenmarke im Körbchen. Nur sie schmecken (im Vergleich zu den ALDI-Doppelkeksen) viel, viel weniger. Ob das jetzt individuell meine Geschmacksnerven betrifft, weis ich nicht. In die ALDI-Doppelkekse könnte ich mich reinsetzen.

Mit dem Leergut hast Du ein gutes und verständliches Beispiel gebracht. Die Kameras sollen dafür genutzt werden. Auch gegen Ladendiebstahl. Aber es wurden ja eigens Detekteien angeheuert, die Angestellte ausspioniert haben - wie lange und wie oft rennt einer auf den Topf,... Das das nicht im Sinne eines Marktleiters ist, kann ich mir schon vorstellen. Das kam - wenn ich mich recht erinnere - auch eher auf initiative der Konzerne selber.
Worauf ich aber hinaus wollte ist, das damals bei LIDL gesagt wurde, wer dort einkauft fördert deren Machenschaften. Also sollte man stattdessen bei z.B. REWE, EDEKA,... blablabla einkaufen. Dort stellte sich aber das gleiche Problem ein.

Naja, wie labbi schreibt, bleibt bei den Bauern unter dem Strich kaum was hängen. Da sind andere Betriebe, die sich ein verdammt großes Stück vom Kuchen abschneiden.

Erfreulich ist das doch auch für unseren Vater Staat. Der lacht sich eins ins fäustchen, weil er durch höhere Preise auch höhere MWST-Einnahmen verzeichnen kann. Und das ohne die BürgerInnen über Steuererhöhungen verärgern zu müssen. Genau das gleiche bei den Spritpreisen.
DAS ärgert mich noch am meisten.

25.06.2008, 08:35

Also das mit den Milchpreisen wird früher oder später alles nochmal hoch kommen.
Das Preisgefüge ist heutzutage mehr als kompliziert.

Im Frischesegement werden die Einkaufpreise zwischen Großhandlungen und Molkereien regelmäßig neu ausgehandelt.
Eine ähnlich zugespitzte Situation gab es vor knapp 4 Jahren schon einmal. Hat nur kaum einer mitbekommen, da es mehr oder weniger hinter verschlossenen Türen statt fand.
Hier waren die Schlüsselfiguren die EDEKA Großhandlungen und die Molkerei von Alois Müller.
Betroffen war ein einziger Artikel: Der Sortimentskarton Müllermilch. (Platikflaschen)
Hier hat man sage und schreibe 6 Tage den Preis verhandelt. Jeden Tag einen anderen.
Zum Ablauf: Wenn die Damen und Herren auf einer Einkäufersitzung sich einig geworden sind, in dem Fall jeweils nur zum Tagesende, was den EK angeht, wird der entsprechende VK per DFÜ an die verschiedenen Vertriebsschienen weiter gegeben.
Das heißt für uns vor Ort, das wir jeden Tag ein Ettikett bekommen, jedes mal ein anderer Preis.
Das ging wie gesagt die ganze Woche.
Am Montag der Folgewoche, passierte dann das, womit man am wenigsten gerechnet hat: Der Artikel wurde ersatzlos ausgelistet! Man wurde Sich ums verrecken nicht einig über den Einstandspreis.
Solceh Mittel werden zum Druck machen leider des öfteren benutzt. Man sollte sich dann aber mal vor Augen führen was das für beide heißt. Für die Molkerei: Sie verlieren für diesen Artikel einen Kunden mit 10 Tausenden Standorten Deutschlandweit und darüber hinaus.
Für den Handel: Ein ausgelisteter Artikel mit guter Spanne, kann aufs Jahr gerechnet die Investitionsrahmen für z.B. Neuanschaffungen erheblich schmälern.

Wir haben die Müller Milch eine Woche nicht verkauft, was für uns hieß: Kundenverlust, da sich viele Kunden verarscht vorkamen und Umsatzverlust.

Zu den Kameras: Man kann das mit den Kameras von vielen Standpunkten aus sehen.
Es gibt auch für Mich eine Grenze.
Sollte zum Beispiel eine Kamera in meinem Büro im Markt installiert werden, würde Ich sauer werden.
Hat auch seine Gründe warum das gemacht wird. Lässt Sich aber ohne Kamera auch alles überführen.

Was Mich mehr verärgert als die Tatsache das Ich so eine Kamera im Büro habe :-), ist wie diese installert wird. An dieser Stelle wird man für selten verblödet verkauft.
Stellt euch folgendes vor: Ihr verlasst abends den Markt, habt alle Türen abgeshlossen, habt das auch noch tausendmal kontrolliert, damit es Nachts keinen Alarm gibt und man 45€ fürs Taxi latzen muss.

Am nächsten Morgen kommt Ihr wieder rein und wollt die Lagertür zum Laden hin aufschließen und Sie ist schon offen!?!?!?!

Wer kann das wohl gewesen sein, wenn nachts kein Alarm war und vor allem warum?

Und das ist nur EIN Ausschnitt von dem was jeden Tag hinter den Kulissen von großen Konzernen vor Sich geht.

Wenn jemand mal alles erzählen würde, würde die Öffentlichkeit über einen Medienbericht über Kameras nur lachen.

21.10.2008, 19:15

Moin!

Ich bin mit einem Milchbauern gut befreundet. Ein weiterer Streik wird wohl nicht zu vermeiden sind.

Im Moment arbeiten die eher kleinen Betrtiebe (so bis 150 Rinder) allenfalls Kostendeckend. Für den Landwirt bleibt also nix hängen. Der oben erwähnte Freund verhungert zwar ganz sicher nicht (zur not werden halt die Milchkühe geschlachtet ;) ), hat aber im Vergleich zu mir mit meinen (einigermaßen) geregelten Arbeitszeiten zum einen nicht mehr Geld, zum anderen aber auch mehr Verantwortung und noch mehr Zeitaufwand für den Ertrag.

Der Milchpreis liegt im Moment irgendwo bei knapp über 30ct, wenn ich mich recht erinnere - in der Produktion ist die Milch aber schon teurer.

Dazu kommt noch, dass der Landwirt faktisch selbstständig ist, aber nicht die gleichen Vorteile wie jeder andere Selbstständige in Anspruch nehmen kann, jedoch aber die gleichen Betriebs-und Steuerrechtlichen Pflichten erfüllen muss.

In der Hoffnung, ein paar Vorurteile über "die goldene Landwirtschaft" abgebaut zu haben,

Dominik
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