Klappern aus dem Motorraum, Probleme beim Schalten




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Klappern aus dem Motorraum, Probleme beim Schalten

Beitragvon Eintagsfliege » 07.04.2016, 11:07

Ein unerfreuliches Geräusch aus dem Motorraum meines Aygo lies mich Böses vermuten. Im Stand bei Leerlaufdrehzahlen war ein deutliches Klappern/Klopfen/Pfupfern zu vernehmen, dass beim Gasgeben verschwand.
Meine erste Geräuschanalyse aus dem Innenraum lies auf ein Loch in einem Abgasrohr des Krümmers vermuten, da es sich im Innenraum irgendwie „abgasmäßig“ anhörte. Das passte allerdings nicht zum Verschwinden des Geräusches beim Gasgeben und vor allem beim einkuppeln.
Hinzu kam, dass sich die Gänge zunehmend schwerer einlegen ließen. Der Gangwechsel in den zweiten Gang ging nur mit viel Liebe, Zeit und Kraft, was den folgenden Verkehr nicht glücklich gemacht hat. Beim schalten in den 4. Gang hat es dann auch irgendwann angefangen zu knirschen.
Alles sehr unerfreulich.
Eine kleine Internetrecherche ließ auf ein defektes Ausrücklager schließen, was mir mein sehr erfahrener Vater und Meister der schwarzen Zunft auszureden wusste.
Tiefgehende Recherchen zeigten, dass dieses Problem beim C1 auf eine, aus der Halterung gelöste Reibscheibe der Kupplung hindeutet.
Mein Vater war skeptisch, aber eine neue Kupplung ist bei knapp 100.000 km sowieso fällig und der Austausch ist ein sehr willkommenes Vater-Sohn-Projekt.

Um kurz vorzugreifen. Nach knapp 100.000 km hatten sich an meiner Kupplung zwei von drei Federstahlzungen verabschiedet, auf die die Reibscheibe aufgenietet ist. Das hat dazu geführt, dass die Reibscheibe locker war, was auch die Geräusche verursacht hat. Die Scheibe hatte dadurch immer ein bisschen Kontakt zu eigentlichen Kupplungsscheibe, was zur Folge hatte, dass das Getriebe nie völlig getrennt war und sich deshalb die Gänge schwer einlegen ließen.
Die Kupplung selber war schon ziemlich runter, hätte aber sich noch einige Zeit gehalten.

Folgende Schritte sind aus der jetzigen Erfahrung sinnvoll um das Getriebe aus dem Fahrzeug zu fingern und die Kupplung zu wechseln.

1. Einen Helfer finden, der einen ganzen Tag Zeit hat (wenn alles gut läuft).
2. Früh morgens, vor dem Frühstück das Auto am Rahmen (nicht an der Radaufhängung) auf stabile Böcke stellen. Wer wie ich, locker und ohne aufwärmen beim Bankdrücke 400 kg macht, kann sicher auch irgendwas Wackliges unter das Auto stellen, aber alle anderen sollten hier wirklich sorgfältig sein. Man sollte Bedenken, dass später die Reifen runter sind und dann wird es sehr eng unter der Karre, wenn sie von der Auflage hüpft.
3. Die Reifen abschrauben und zwei Schrauben wieder einschrauben um die kleine Schraube zu schützen, die die Bremsscheibe an ihrem Platz hält.
4. Auf der Achse findet man eine Sternmutter die in eine Rille der Gewindestange „eingenietet“ ist.
5. Das Werkzeug nach einer passenden Nuss / Ringschlüssel durchsuchen, die auf diese Mutter passt. Wenn kein Werkzeug vorhanden ist, empfiehlt es sich, das Rad wieder zu montieren, zu frühstücken und dann in den Baumarkt zu fahren um was passendes zu besorgen. Wir haben einen großen zölligen Ringschlüssel benutzt, die genaue Größe ist mir aber entfallen.
6. Falls das passende Werkzeug vorhanden ist, die Vernietung zärtlich aufbiegen und die Mutter runterschrauben. Hier empfiehlt es sich, dass der Helfer auf die Bremse drückt.
7. Karamba oder anderen Rostlöser auf die Zahnstange der Achsnabe sprühen und in Ruhe frühstücken. (Hierbei möglichst nicht die Bremsscheibe schmieren, das macht zwar das Auto im Durchschnitt schneller, kostet am Ende des Tages aber Zeit.)
8. Jetzt könnte man den Sicherungssplint aus der Kronenmutter des Querlenkers ziehen, die Kronenmutter abschrauben und dann versuchen den Gewindebolzen aus dem Querträger zu hebeln, drücken oder hämmern. Hat bei uns nicht funktioniert und irre viel Zeit gekostet.
9. Viel besser ist es die horizontale Schraube aus der Aufnahme, die den Querträger mit dem Rahmen befestigt raus zu schrauben und den Querträger aus der Aufnahme zu ziehen und nach hinten zu bewegen. Dadurch bekommt die Steckachse genug Platz, dass man sie ausbauen kann.
10. Jetzt die Sternmutter wieder auf die Achsnabe aufschrauben, bis sie nur sehr geringfügig unter der Oberkante sitzt um bei dem folgenden Gewaltakt das Gewinde zu schützen. Sicher ist sicher. Mit einem dicken Rundeisen oder einem sehr fett Durchschlag so lange sehr zärtlich und ansteigen kraftvoll mit einem Hammer auf das Rundeisen dreschen bis sich die Achse löst ohne das Gewinde zu beschädigen oder die Achse zu vernieten.
11. Wenn bis jetzt alles gut gelaufen ist, kann man das auf beiden Seiten machen und die Steckachsen sind aus den Radnaben raus und „hängen“ nur noch am Differenzial.
12. Getriebeöl ablassen. Am Besten durch die dafür vorgesehene Schraube und nicht über das Differenzial indem man eine Steckachse rausklopft.
13. In diversen Internetforen steht „die Achsen sind nur ins Getriebe gesteckt“. Die lügen alle. Die sind nicht nur „gesteckt“ im Sinne, dass man sie einfach „rausziehen“ kann, die sind mit einem kleinen Spannring im inneren des Differenzials gesichert und ziehen kann man auch nicht, da man damit u.U. die Gelenke in den Gummibalgen beschädigt.
Am Besten fängt man mit einem kleinen Brecheisen auf der Beifahrerseite an und setzt diese direkt an dem „dreieckigen“ Teil der Steckachse an, das an das Getriebe angrenzt. Nicht direkt an der Kante der Steckachse direkt am Getriebe. Das ist nur ein dünnes Blech, das vor Staub schützen soll und verbiegt sich ganz ausgezeichnet, bringt aber nix.
Um den fiesen kleinen Ring zu lösen muss man die Steckachse mit der Brechstange unter Spannung bringen und dann mit einem Hammer entschlossen auf die Brechstange klopfen, damit der Ring zusammengedrückt wird und er aus seiner Fürhungsrille im Differential springt und sich die Achse löst. Man kann das kleine Scheisserchen dann schön auf der Achse bewundern.
Auf der Fahrerseite ist das alles komplizierter, da es an geraden Kanten fehlt, an denen man das Brecheisen ansetzen kann.
Mir hat ein Meißel, ein kleiner Kuhfuß, ein großer Kuhfuß und ein Hammer geholfen. Viel Glück.
14. Zwischendurch sollte man mal die Batterie ausbauen, den Batterieträger rausschrauben, alle Kabelaufhängungen entfernen, die Aufhängungsplatte, an der der Kupplungszug und die Bowdenzüge für die Schaltung eingehängt sind, die Erdung abschrauben und das Kabel der Lamdasonde unten am Auspuff nach dem Kat trennen und die Aufhängung entfernen.
15. Das Getriebe ist mit sieben Schrauben am Motor fest, sagt das Internet. Ich glaube das stimmt. Bevor die alle raus sind, sollte man den Motor abstützen oder wie wir es gemacht haben, an einer Seilwinde aufhängen.
Zwei längere und dünnere Schrauben halten den Anlasser.
16. Dann hängt das Getriebe an einem gummigelagerten Bock unter der ausgebauten Batterie und liegt auf einem Teller der unten am Rahmen befestigt ist. Ich kann nur dringend empfehlen beides komplett abzuschrauben. Sofort nachdem man das Getriebe mit einem Wagenheber gesichert hat. Nicht vorher.
17. Mittagessen, Kraft tanken. Als nächstes kommt ein Kraftakt.
18. Unter das sicher aufgebockte Auto kriechen, das Getriebe ordentlich festhalten, den Wagenheber wegkicken und dann das Getriebe mit einer Hand hochstemmen und mit der anderen Hand und einem großen Schraubenzieher vom Motor hebeln.
Wer keine 30 kg mit einer Hand sicher bewegen kann, sollte den Wagenheber vielleicht nicht wegkicken sondern damit und mit dem Schraubenzieher ein bisschen spielen. Keine Angst, das Getriebe fällt nicht so einfach raus, man muss ein bisschen fummeln. Auch hier viel Glück.
19. Wenn alles gut gelaufen ist, müsste das Getriebe jetzt in den Armen des stolzen Schraubers liegen und komplett vom Auto getrennt sein. Herzlichen Glückwunsch.
20. Eine rauchen und ein Bier trinken. Es ist jetzt nach 12 Uhr. Wenn nicht, hast Du es Dir trotzdem wirklich verdient.
21. Das Ziel Deiner Begierde hängt jetzt mit (ich glaube) sechs 10er-Schrauben an der Schwungscheibe des Motors. Ist fummelig aber Du hast ja gerade eine geraucht und hast eine ruhige Hand.
22. Bei mir war die Reibscheibe der Kupplung an drei Federstahlzungen angenietet, von denen zwei abgerissen waren. Bei gedrückter Kupplung hat die lockere Reibscheibe offensichtlich die Geräusche gemacht und dafür gesorgt, dass auch bei gedrückter Kupplung noch genug Kontakt zu Kupplungsscheibe bestand, dass das Getriebe immer ein bisschen unter „Spannung“ stand, weshalb die Gänge nur schwer rein gingen.
23. Neue Kupplung bei Amazon bestellen (rund 100 Euro), zwei Tage warten und dann die Anleitung vom vorletzten Punkt rückwärts befolgen.
24. Wenn man das Getriebe wieder an den Motor stecken will, sollte man vorher schauen, wo der Anlasser hängt und wo die Plastikabdeckung hängt, die den Schlitz zwischen Anlasser und Getriebe abdeckt.
Wenn das zwischen Motor und Getriebe klemmt, tut man sich schwer.
25. Das Getriebe möglichst zärtlich auf die beiden kleinen Führungsbolzen drücken und dann zärtlich die Schrauben ansetzen und das Getriebe zärtlich mit den Schrauben beiziehen. Dabei dringend darauf achten, dass die Auflageflächen schön parallel sind und sich nichts verkantet.
26. Nicht vergessen das Getriebeöl wieder nachzufüllen. Hierfür gibt es drei Schrauben am Getriebe. Die unterstes Schraube dient dazu, das Öl abzulassen, die oberste, das Öl einzufüllen und die mittlere (hat eine kleine Aufschrift, man solle vorher das Manual lesen) dient dazu, die richtige Füllmenge zu finden. Läuft da Öl raus, hat man oben genug reingeleert. Das sollte man aber erst machen, wenn das Auto wieder gerade steht. Zu viel Getriebeöl führt dazu, dass es schaumig geschlagen wird und dann nicht mehr schmiert. Das führt zu einem neuen Getriebe (neues Getriebe einbauen siehe oben). Kosten für das Öl, rund 30 Euro für 2 Liter.
27. Wenn das Getriebe wieder fest sitzt und der Anlasser an seinem Platz ist, ist es nur noch eine Fingerübung, alles wieder an seinen Platz zu schrauben.

Ich schaue, dass ich noch ein Bild der defekten Reibscheibe hochlade. Ansonsten hoffe ich, jeder der den Versuch startet hat Erfolg hat.

Respekt, wer's selber macht.


Liebe Grüße


Eintagsfliege
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von Anzeige » 07.04.2016, 11:07

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Re: Klappern aus dem Motorraum, Probleme beim Schalten

Beitragvon Max 110 » 08.04.2016, 19:28

Hallo

Bin gerade bei 108.000 km und habe zum Glück kein Problem mit der Kupplung.
Aber ich find Deine Beschreibung sehr gelungen und eine Prise Humor hat auch noch nie geschadet :D

Natürlich kann ich gerade nicht jeden Schritt nachvollziehen weil (1) es im Moment nicht nötig ist und (2) ich das Fahrzeug gerade nicht über mir habe.
Trotzdem herzlichen Dank das Du Dir die Mühe gemacht hast alles zu beschreiben. Jetzt noch Fotos dazu wäre genial.

Große Anerkennung meinerseits, schönes Wochenende
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Max 110
 
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