Hier hat das also angefangen...
http://www.daihatsu-forum.de/vbulletin/ ... hp?t=42411Verlinkt habe ich euch noch einmal meine Überlegungen im Dai-Forum.
Vielleicht erkläre ich euch hier noch kurz wie ich die Verbrauchseinsparung (ca. 2 % bei 100 km/h) berechnet habe:
Ich habe dazu ein Programm in einer Tabellenkalkulation geschrieben (vor langer Zeit). Zuerst berechne ich die Fahrwiderstände und daraus die Motorlast bei einer bestimmten Geschwindigkeit, also Drehzahl. Ein Muscheldiagramm (selbst angefertigt, indem ich andere sinnvoll verknüpft habe) dient mir dann als "Wertetabelle", aus der ich passend zur Motorlast und der anliegenden Drehzahl dann den Motorwirkungsgrad nehme. Motorwirkungsgrad und Fahrwiderstände... schon hat man den Verbrauch...
Hier ein Link zu mehreren Muscheldiagrammen:
http://www.motor-talk.de/forum/spritspa ... st21890613Wenn man sich so ein Muscheldiagramm ansieht, erkennt man, dass eine Steigerung der Motorlast (horizontale Achse) je nach anliegender Motorlast den Motorwirkungsgrad mal mehr, mal weniger stark beeinflusst. Befindet man sich bei sehr niedriger Last, steigt der Wirkungsgrad deutlich, im mittleren Bereich jedoch nur noch wenige Prozent (ca. 2 % besserer Wirkungsgrad bei 10 % Motorlast, wenn überhaupt) bis bei zu hoher Motorlast der Wirkungsgrad auch wieder sinkt, wegen der Volllastanfettung.
Dazu sei auch noch gesagt, dass die modernen Motoren bei Teillast effizienter laufen als ältere Modelle. Soll heißen: Ab 50 % Last, wird sich der Wirkungsgrad vermutlich nur noch marginal verbessern.
Ich fahre einen etwas größeren Sirion M300 (der ist etwas kürzer übersetzt, knapp über 3.000 U/min bei 100 km/h), der verbraucht bei Tacho 90 knapp 4 Liter/100 km. Bei Vollgas laufen knapp 9 Liter/100 km durch (Momentanverbrauch bei 90 km/h und Vollgas). Heißt: Die Motorlast liegt bereits bei konstant 90 km/h bei gut 40 bis 50 %.
Wenn man nun also das Getriebe um 10 % verlängert, steigt die Motorlast zwar um 10 %, bei derselben konstanten Geschwindigkeit, der Verbrauch sinkt aber kaum.
Als Nachteile erkauft man sich einen schlechteren Durchzug, mehr Schaltarbeit, einen höheren Kupplungsverschleiß (beim Anfahren) und womöglich sogar einen
Mehrverbrauch. Warum nun das?
Ich beschelunige mit meinem Sirion gerne auf 80 bis 90 % Motorlast, also 7,5 Liter Verbrauch laut Anzeige. Drücke ich das Pedal ganz durch, spüre ich eigentlich kaum eine höhere Leistung, aber dafür steigt der Verbrauch überproportinal stark. Wenn man das Getriebe verlängert, gibt man meiner Meinung nach beim Beschleunigen automatisch noch mehr Gas und muss dies vor allem am Berg auf der Autobahn auch tun oder eben runterschalten.
Was beim Aygo auch blöd gelöst ist, ist ja generell der lange erste, zweite und dritte Gang, die würden noch länger, aber Nutzen sehe ich da keinen. Mit meinem Sirion fahre ich innerorts ab 20 im 3. Gang, ab 40 im 5. Gang, den 4. nehme ich nur für 30-Zonen, wo man konstant Tacho 30 bis 35 rollen kann. Wäre der 5. Gang länger, wäre er für mich nicht mehr sinnvoll nutzbar, außer auf der Autobahn, wo eine Verlängerung - selbst um 10 % - ab 80 km/h kaum noch etwas bringt.
Wo der Verbrauch noch steigt? Beim Ausrollen an die Ampel. Jeder Motor spritzt irgendwann wieder ein. Die primitiven Daihatsus (Gaszug) tun dies schon bei etwa 1.200 U/min. Das merkt man beim Ausrollen, wenn die Motorbremse plötzlich deutlich weniger greift. Wenn das beim Aygo nun 1.000 bis 1.100 U/min sind, dann würde schon ab ca. 45 km/h im 5. Gang die Motorbremse nicht mehr wirken. Noch mehr Schaltarbeit, wenn man die gerne nutzen möchte.
Den geringsten Verbrauch erreiche ich übrigens bei 30 km/h im 4. Gang. Die Motorlast liegt zwar nur bei 10 bis 15 %, Muscheldiagramme geben dafür Wirkungsgrade von 10 bis 15 % aus, aber heutige Motoren sind da schon weiter.
Heißt: tatsächlich liegt der Wirkungsgrad bei etwa 20 %, einem Verbrauch von unter 3 Liter/100 km
So weit ist man heute schon beim Teillastwirkungsgrad...
Bei einem Verbrauch von 3,6 Liter bei LKW-Tempo (mein Sirion liegt etwa bei 3,8) kostet das im Moment knapp 6 €/100 km. Spart man da 5 % ein, was ich für unrealistisch halte, sind das 30 Cent/100 km. Auf 100.000 km wären das 300 €... TÜV-Eintragung... schlechterer Durchzug... Mehrverbrauch in bestimmten Lebenslagen... Kupplungsverschleiß... lohnt das? Ich denke nein.
Mit meinem Sirion habe ich außerdem schon die Beobachtung gemacht, dass ein längeres Getriebe ausschließlich auf der Autobahn/Bundesstraße im Berufsverkehr Sinn macht. Sobald man auch nur ländlich unterwegs ist (Hügel, Kurven, Kreuzungen) wird die allermeiste Energie ohnehin verbremst, selbiges in der Stadt. Was man da bei Konstantfahrt einspart, legt man beim Anfahren drauf, weil das (bei längerem Getriebe) länger dauert.
Noch zum Abschluss ein kleines Beispiel:
Auf meinem Arbeitsweg fahre ich aus einer Ortschaft, darauf folgt ein 60-Bereich, der wird aufgehoben, dann kommt eine Brücke und 300 m weiter ein Kreisel. Insgesamt vielleicht 2 km. Eigentlich eine sparsame Strecke, aber:
Zuerst beschleunige ich auf 60 km/h, Motorlast 50 bis 60 %, dann fahre ich 300 m mit 60 km/h, die 60 km/h werden aufgehoben, ich beschleunige mit 50 bis 60 % Motorlast auf 80 km/h. Nun bin ich schon auf der Brücke und kann bei 80 auch schon wieder vom Gas gehen, sonst komme ich statt mit 45 km/h noch schneller am Kreisel an, wo ich ohnehin nur mit 30 rumkomme. Sparen könnte ich effektiv auf den 300 m, wo ich konstant 60 km/h fahre... der Rest ist Beschleunigen und effektive Nutzung der Motorbremse...