Re: 1. Gang geht schwer rein, "Kratzen" im Leerlauf
von bluedog » 17.07.2014, 12:41
Ob Getriebeöl heute noch gewechselt wird, hängt von den Herstellervorgaben ab. Vor allem Deutsche Hersteller (Mercedes, BMW) hatten in den letzten Jahren die Furzidee einer sogenannten Lebensdauerbefüllung, vor allem bei Automatikgetrieben.
Die Idee dahinter: Das ganze Auto wird auf maximal 250'000km ausgelegt. Man spekuliert drauf, dass die Automatik das auch ohne ATF-Wechsel schafft.
Interessant ist nur, dass es seither mehr Getriebeschäden gab, auch schon während der Garantiezeit. Folge: Man ist wieder von der Idee der Lebensdauerbefüllung abgekommen und gibt wieder Wechselintervalle vor.
Andere, vor allem japanische Hersteller, sind gar nie auf so einen Schwachsinn gekommen, und glänzen auch deswegen mit zuverlässiger Technik. Genauso, wie sie auch den Quatsch mit longlife-Motoröl nie mitgemacht haben und als Nebeneffekt, weil die Karren eben regelmässig in den Werkstätten auftauchen müssen, auch weniger andere Defekte haben. Fängt bei kaputten Scheinwerferbirnen an und hört was weiss ich wo auf.
Zum vorliegenden Fall:
Ich spekuliere mal: Irgendwas war an dem Getriebe mal. Oder man hat auch nur einen Defekt vermutet. Jedenfalls hat man das Getriebe aufgemacht und dann mit Dichtmasse, wie sie auch an anderen Stellen üblich ist, wieder zugemacht. Ich vermute, es lag eine Undichtigkeit vor. Somit hat man vielleicht auch auf Nummer sicher gehen wollen und hat dickeres Getriebeöl eingefüllt, was nun einen Schaden verursacht hat.
Oder der Defekt bestand eben weiter weil man die falsche Ursache vermutet hat, und es wurde möglicherweise mit zu wenig Öl gefahren. Man weiss es nicht. Vielleicht wurde auch mit einem Ölzusatz versucht, das Leck zu stoppen, und das Öl war deshalb dicker als es sein sollte und schwarz... man kann nur spekulieren.
Der naheliegendste Grund dafür könnte eine Undichigkeit zu den Antriebswellen hin sein. Soweit ich weiss ein häufiges Problem, wenn die mal gezogen werden müssen, dass danach nicht mehr dicht wird.
Vielleicht wurde ja mal die Kupplung getauscht oder es war was anderes.... man weiss es nicht.
Jedenfalls: Das Auto für 500€ zu verschenken halte ich für eine ganz schlechte Idee. Wenn man dem Wagen nicht mehr vertraut und lieber einen neuen möchte, ist das verständlich. Verschenken muss man ihn dennoch nicht.
Ich würde ein gebrauchtes Getriebe einbauen lassen, und dabei drauf bestehen, dass alles de lege Artis, also Kunstgerecht gemacht wird, heisst, alle Simmeringe oder Dichtungen, die man vernünftigerweise erneuert, wenn man das Getriebe ausbaut, erneuert werden. Ich denke an die Antriebswellen.
Weiterhin ist das die Gelegenheit auch gleich die Kupplung neu zu machen, wenn man doch das Getriebe eh schon rausreisst. Wär ja superärgerlich, wenn man 20'000km später wieder das gleiche zahlen muss, weil die Kupplung am Ende ist.
Dann das richtige Getriebeöl rein, und man hat einen fahrfähigen Wagen mit neuer Kupplung. Wenn der sonst gut dasteht und man eben gerade Rostvorsorge betrieben hat, gibts dann eigentlich keinen Grund mehr, den loswerden zu wollen. Falls aber doch, wird er dann, abzüglich der Reparaturkosten, sicher mehr als 500€ einbringen.
Das ist halt immer so: Nicht fahrfähige Automobile sind quasi nichts wert. Ist auch logisch, denn allein der Transport ist dann schon sehr kostspielig.
Was man sich überlegen kann, aber nicht muss: Will man die Reparatur wirklich in einer Werkstatt machen lassen, die die eigene Zwangslage so ausnutzen wollte? Die Gefahr einer überteuerten Reparatur besteht immerhin, und wenns nur ist, um das niedrige Kaufangebot zu rechtfertigen.
Reparatur also auf keinen Fall ohne schriftlichen Kostenvoranschlag! Das gibt dann auch die Basis für einen Preisvergleich.
Bezüglich Gewährleistung: Wenn der Verkäufer keine Einmannfirma ist, kann man sich dort ja auch melden, wenn der auf Urlaub ist. Wenn die deshalb die Reparatur nicht selber übernehmen wollen oder können, kann das auch eine andere Werkstatt machen, gegen Kostenübernahme. Sprich halt mal mit denen. Vielleicht wollen die den Wagen in einer bestimmten Werkstatt haben. Dann sollen sie den Transport dahin und die Reparatur auf ihre Kosten organisieren. Sorge dafür, dass die sich nicht beliebig dazu Zeit lassen.
Möglicherweise erklärt sich der Verkäufer aber auch einfach bereit, die Reparaturkosten zu übernehmen. Auch dafür wäre ein schriftlicher Kostenvoranschlag eine gute Ausgangsbasis. Sag dann der Reparaturwerkstatt bescheid, dass die die Rechnung gar nicht auf Dich ausstellen, sondern direkt an den Verkäufer schicken.
Es kann auch sein, dass Du merkst, dass die Reparatur zu teuer berechnet ist. Wird gern gemacht, wenn man den Patienten erstmal in der Werkstatt hat in nicht mehr fahrfähigem Zustand. Bei entsprechendem Preisunterschied kann es sich lohnen, den Wagen abholen zu lassen. Dann aber die Transportkosten nicht zu berücksichtigen vergessen.
Allenfalls halt doch zum Anwalt gehen... teuer zwar, aber es macht meist Eindruck, wenn sich Leute versuchen querzustellen. Solange die Leute aber mit sich reden lassen, reicht es wohl, einfach Schritt für Schritt gut zu dokumentieren, so dass man keine grösseren Beweisprobleme hat, sollte es ohne juristischen Beistand nicht mehr gehen.
Heisst: Alle Termine, Fristen, Zusagen und Absprachen möglichst schriftlich, mindestens per Mail, so dass mans nachlesen kann. Telefongespräche mit Datum, Uhrzeit und Namen/Firma des/der Gesprächspartner notieren, samt möglichst präziser Inhaltsangabe... Ideal wäre eine Schriftliche Auftragsbestätigung der Werkstatt, geht ja auch per Mail. Vielleicht auch mal zum Fotoapparat greifen, gerade was Farbe und Konsistenz des alten Öls angeht, oder die Dichtungsreste oder den Zustand des Getriebes. Vergiss nicht: Auch das defekte Getriebe ist Dein Eigentum, solange Du es nicht aufgibst. Du kannst es Dir also, wenn Du willst, herausgeben lassen. Für den Fall der Fälle oder als vertrauensbildende Massnahme zu Deinen oder des Verkäufers Gunsten. Kannst Dir ja das Recht vorbehalten, es später dann zur Entsorgung abgeben zu dürfen, wenn der Fall abgeschlossen ist.
C1 Sensodrive, 5-Türer, 1.0; Umgebaut auf Bedienung ohne Pedale.
Fussball ist wie Schach, nur ohne Würfel.