Heute habe ich einen Selbsttest gemacht mit einem 74kW Yaris.
Bei ca. 90 km/h im 3. Gang habe ich gleichzeitig Vollgas gegeben und die Bremse getreten.
Das Ergebnis war wie zu erwarten: der Wagen bremst deutlich ab.
Die Bremswirkung war gut, schon bei normalem Druck (soweit ich das mit dem linken Fuß einschätzen kann).
Aber dann war ich doch erstaunt:
ist man zaghaft und bremst 2x mal kurz und läßt das Pedal wieder los,
hat man ab dem 3. Bremsen KEINEN BREMSKRAFTVERSTÄRKER mehr.
D.h. bei "normalem" Druck hat das Fahrzeug kaum noch Bremsleitung.
Mit starkem Druck aufs Pedal kann man zwar stärker verzögern, aber gutes Bremsen ist anders...
Bei entsprechend motorisierten Kraftprotzen mag das noch anders ausshen...
Warum ist das so?
Bei den Benzinern wird der Unterdruck für den Bremskraftverstärker vom Motor erzeugt.
Bei voll geöffneter Drosselklappe (Vollgas) erzeugt der Motor aber keinen Unterdruck.
Der gespeicherte Unterdruck reicht dann für 2 Bremsvorgänge, dann ist kein Unterdruck und damit keine Bremskraftverstärkung mehr da.
(Wenn man im Leerlauf die Zündung abschaltet und das Fahtzeug rollen läßt, hat man den gleichen Effekt.)
Mir ist ehrlich gesagt völlig unverständlich, warum bei modernen Fahrzeugen mit elektronischen Helferlein aller Art so etwas möglich ist.
Es wäre überhaupt kein Problem, diese potentielle Gefahr softwaretechnisch schon im Ansatz zu verhindern.
Andere Hersteller tun dies auch.
So wird bei VW bei allen Fahrzeugen mit CAN-Bus und elektronischem Gaspedal
bei gleichzeitigem Vollgas und Bremsen das Signal des Gaspedals übersteuert.
D.h. das Fahrzeug beschleunigt nicht weiter, der "Befehl" Vollgas wird nicht an die Motorsteuerung weitergegeben,
das Fahrzeug nimmt automatisch etwas Gas weg.
Damit bleibt auch der notwendige Unterdruck für die Bremse vorhanden.
Rutschende Fußmatten hin, klemmende Pedale her, aus meiner Sicht hat Toyota hier ein Software-Problem, auch wenn dies immer dementiert wird.
Beim Aygo wäre allerdings eine Softwarelösung nicht möglich, jedenfalls nicht bei den Seilzugmodellen.
Die neumodischen Start-Stop-Knöpfe (nicht im Aygo und Yaris) tragen auch nicht wirklich zur Sicherheit in Notsituationen bei.
Was tut man, wenn das Auto scheinbar merkwürdig reagiert?
Zündung aus! Wie macht man das bei modernen Toyotas? Start/Stop Knopf drücken. Passiert aber nix...
Nein, den Knopf muß man während der Fahrt für 3 Sekunden drücken, erst dann reagiert die Software.
Angeblich (mangels Fahrzeug konnte ich das nicht überprüfen) gibt es Automatik-Fahrzeuge (z.B. Prius),
bei denen die Fahrzeugelektronik in bestimmten Situationen verhindert, in die Neutral-Stellung zu wechseln.
Wenn man diese Faktoren einbezieht, ist es wohl nicht mehr angemessen,
sich über die Amis und ihre autofahrerisches Nichtkönnen lustig zu machen.
Vielleicht sollte man auf dem Armaturenbrett mittig über dem Warnblinkerschalter einen großen Pilz-Taster platzieren: Toyota Not-Aus...
Wobei ich vermute, daß solche Probleme durchaus auch bei anderen Herstellern auftreten können.
Daß jetzt Toyota unter Beschuß ist, heißt nicht, daß alle anderen keine Fehler machen
Je mehr elektronische Systeme in ein Fahrzeug eingebaut werden, desto mehr potentielle Fehlerquellen entstehen.
Aus eigener Erfahrung als Programmierer weiß ich, daß es bei immer komplexeren Systemen immer schwieriger wird,
eine vollkommen fehlerfreie Software zu programmieren.
cdet

