Anspruchslose Käufer, anspruchslose Autos. Hauptsache, die Zahl auf der Rechnung ist schön klein. Das war gestern: Heute müssen selbst Kleinstwagen fast alles können. Und trotzdem schön billig bleiben. Das zwingt die Hersteller zu manchem Spagat - auch Toyota beim Aygo. Mit dem Winzling traten die Japaner Mitte 2005 an, um die europäische Jugend zu derobern. Wohl auch deshalb wird der kleine City-Fliter in Tschechien gebaut, zusammen mit seinen Brüder Citroen C1 und Peugeot 107.
Die Partnerschaft mit dem PSA-Konzern trägt mittlerweile Früchte: Die technisch identischen Drillinge haben sich im ersten Halbjahr 2007 zusammen fast 20000-mal verkauft. Kein anderer Kleinstwagen ist so erfolgreich. Dabei zeigt der Aygo selbst in der Topausstattung Club, dass auch der japanische Auto-Gigant nur mit Wasser kocht. Der Sparzwang ist überall sichtbar. Innen dominieren viel nacktes Blech und einfache Kunststoffe, die Sitze sind schmal und dünn gepolstert, eine Gepäckraumleuchte fehlt, ebenso ein Deckel am Handschuhfach. Verwöhnte Benutzer haben schon nach einer FAhrt genug, bemängeln das hoppelige Fahrwerk, den winzigen Kofferraum und die teigige Schaltung. Tatsächlich gibt es in dieser Klasse auch Autos mit mehr Komfort. Aber auch zuverlässigere?
Während seiner sechsmonatigen Redaktionszugehörigkeit leistete sich der rote Stadtflitzer nur eine kleine Unpässlichkeit: Bei Kilometerstand 16.955 leuchtete plötzlich die Airbag-Kontrolleuchte auf. Beim Auslesen des Fehlerspeichers in der Werkstatt konnte allerdings kein Defekt festgestellt werden können. Ansonsten lief der Aygo bis zum Ende so problemlos, wie es Toyota Kunden seit jeher erwarten.
Der kernige Dreizylinder unter der kurzen Motorhaube übertrag die Erwartungen sogar. Denn das Einliter-Vierventil-Triebwerk läuft zwar etwas rau und knurrt vernehmlich, aber es verhilft dem leichtgewichtigen City-Floh dafür zu sehr guten Fahrleistungen. Auf der Autobahn überschrietet die Tachonadel nach einigem Anlauf - die Gänge vier und fünf sind sehr lang übersetzt - sogar die 170er Marke. Ein Tempo, das weder Fahrwerk noch Besatzung aus der Fassung bringt, zumal sich das heisere und immer ein wenig nach Porsche-Boxer klingende Motorchen in keinem Drehzahlbereich lästige Dröhnfrequenzen erlaubt.
Doch nicht nur der Motor macht lange Strecken erträglich, sondern auch Platzangebot und Sitzkomfort in der ersten Reihe. Selbst Großgewachsene kommen mit dem Arrangement von Lenkung, Pedalen und Sitzen problem los klar. Okay, den Sesseln fehlt es zwar an Seitenhalt, aber die Unterstützung im Rücken ist gut. Und die anfänglich so mickrig wirkende Polsterung zeigte am Ende des Halbjahrestest nicht die geringste Ermüdungserscheinung.
Kein Wunder also, dass sich im Fahrtenbuch die Sympathie-Bekundungen häufen. "Ich mag ihn, den kleinen Brummer", notierte etwa Testfahrer Gerald Schadendorf nach einer 500 km Tour. Produktioner Mario P. findet "den Kleinen richtig sympathisch" und kann sich als eher sprotlicher Fahrer problemlos mit dem straffen Fahrwerk anfreunden.
Dass der Aygo während des Halbjahrestests überwiegend dynamisch und oft auf der Autobahn bewegt wurde, zeigt der durchschnittliche Verbrauch von 7,1 Liter. Wer das kleine Wägelchen mit zartem Gasfuß bewegt, schafft ohne Probleme auch die Fünf vor dem Komma.
Nach sechs Monaten im stressigen Redaktionsalltag hinterlässt Toyotas Neuentwicklung einen überwiegend guten Eindruck. Gespart haben die Japaner nur da, wo es nicht sonderlich wehtut. Oder nicht gleich offenknudig wird, etwa beim Unterbodenschutz. Motor, Karosserie und Interieu wirken jedoch solide. Man muss also kein anspruchsloser Mensch sein, um den Aygo zu mögen.
Fazit: Der Toyota Aygo ist kein perfektes Auto. Und trotzdem hat er mich im Halbjahrestest überzeugt. Als eines der wenigen Modelle der Kleinstwagen-Klasse vermittellt der Aygho auch Fahrspaß - ein Verdienst des agilien und sehr spontan ansprechenden Motörchens. Der leichtgewichtige Aygo hat ihm nicht viel entgegenzusetzen: 68 PS können also reichen, um einen Hauch von Dynamik in den Alltag zu zaubern. Stehen bei der Wahl des City-Flitzers jedoch mehr Komfort, Raumangebot und Varibilität im Vordergrund, kann der Ayo bestenfalls zweite Wahl sein.
Kaufberatung: Der Trend geht selbst in der Klasse Stadt-Minis zur Vollausstattung. Aus wirtschaftlicher Sicht macht das aber keinen Sinn, wie der hohe Wertverlust unseres nahezu komplett ausgestatteten Testwagens, einen Aygo in Club-Ausführung beweist. Ein vergleichbar ausstaffierter Neuwagen mit ESP kostet heute fast 13.400€. Dafür gibt es bei Toyota schon einen fünftürigen Yaris mit Klimaanlage, dem es in der Grundausstattung bis auf ESP an nichts Wesentlichem fehlt. [..] Aygo Fans wählen daher lieber das Basismodell mit sechs Airbags, ABS und Servolenkung. Und rüsten es individuell auf, etwa mit ESP und einem guten Radio. Nachteil: eine Klimaanlage gibt es für den Basis-Aygo nicht.
Von unten nur grundiert! Dass Toyota beim Aygo mit superspitzem Rotstift rechnet, wird vor allem beim Blick von unten deutlich. Viele Stellen sind nur Grundiert, außerdem fehlt es an Unterbodenschutz. Nach nur einem milden Winter mit selten Streusalz-Einsätzen präsentiert sich der kleinste Toyota jedoch in sehr guter Verfassung. Rost finden wir nur an einer Befestigungsschraube des Kat und an den Auspuffhalterungen. Die Untersuchung der Holhräume mit dem Storz-Endoskop beruhigt ebefalls: Hier haben die Aygo-Bauer gut versorgt. Trotz der zwölfjährigen Garantie gegen Durchrostung empfehlen wir Aygo Besitzern dennoch eine Nachbehandlung mit Unterbodenschutz.
Preis
Testwagenpreis Anfang Dezember: 12.623 €
Aktueller Neuwert: 13.398 €
Schätzpreis Mai 2007 : 7.350 €
Wertverlust: 5.273 €
Kosten pro Kilomter: 0,17 €
Kosten mit Wertverlust: 0,41 €
Ich hab vergessen zu erwähnen: Der Test belief sich auf ca. 26.000 Km.
--------------
Im großen und ganzen finde ich persönlich das sich der Test ganz gut anhört, nur um einen Unterbodenschutz werde ich mich definitiv noch kümmern.


