Übersteuern ist gefährlich
von majo » 04.09.2010, 22:03
Erfahrungsbericht
Nach einer halben Mio. km und
rund einem Dutzend Fahrsicherheitstrainings (SHT) mit Motorrad und PKW passieren mir immer noch die einen oder anderen Missgeschicke.
Untersteuern
passiert leicht, wenn man „zu schnell“,
d.h. mit „nicht angepasster Geschwindigkeit“ auf eine Kurve zu oder in eine Kurve hinein fährt und dabei GLEICHMÄßIG und STARK bremst oder (mit einem Fronttriebler) beschleunigt.
Gegenmaßnahme:
Gas wegnehmen oder (stärker) bremsen.
Durch das verringerte Tempo entkommt das Fz. der gefährlichen Geschwindigkeit und das Fz. hört auf zu rutschen.
Es fährt wieder.
Kritische Maßnahme:
Leicht Gas geben oder viel Gas geben.
Die V.A. kann ohnehin schon nicht genügend Grip zum Lenken bereitstellen,
wenn jetzt noch „Beschleunigung“ stattfinden soll,
kann das nur zu Lasten des LENKENS gehen,
d.h. das Fz. untersteuert (= rutscht) noch mehr.
Glück im Unglück:
Die nicht blockierte HA hält das Fz. in der Spur,
man rutscht „gerade-aus“ weiter über die VA,
man rutscht aus der Fahrspur heraus,
man hat beim ev. folgenden Aufprall wenigstens die volle Knautschzone zur Verfügung (sei es nun der Gegenverkehr, der Straßengraben oder ein Baum).
Übersteuern
ist komplexer.
Die V.A. bleibt in der Spur,
hat noch genügend Grip.
Die HA hat nicht mehr genügend Grip,
die HA rutscht nach außen,
das Fz. stellt sich quer.
Unglücke:
- man fliegt QUER aus der Kurve
- man rutscht quer in den Gegenverkehr und hat leider nur 10cm Knautschzone (und hoffentlich einen Seitenairbag)
- man rutscht quer gegen einen Baum (da hilft je nach Tempo auch kein Airbag mehr)
- man rutscht quer in den Straßengraben und überschlägt sich (ist auch nicht lustig).
Gegenmaßnahmen:
VOLL BREMSEN.
Wenn die Kiste erstmal angefangen hat sich wegen des Übersteuerns zu drehen, ist es meist (aber auch nur meist!) eh zu spät.
Dann will man wenigstens die Aufprallgeschwindigkeit verringern.
Vielleicht hat man ja auch Glück im Unglück und schafft eine 180 Grad- oder eine 360 Grad- Drehung und kann so die „richtige“ Knautschzone nutzen.
GEGENLENKEN
…kann helfen,
vor allem, wenn man genug Platz hat.
Währenddessen BREMSEN,
um das Tempo und somit die Aufprallgeschwindigkeit zu verringern.
AUßERHALB der StVO würden PROFIS
eventuell nicht bremsen,
sondern nur gegenlenken…
SUPERPROFIS würden,
wenn genug Platz da ist,
sogar ein wenig Gas geben.
Das sieht man immer wieder bei „Rallye-Fahrern“.
Aber die haben das Übersteuern auch bewusst herbeigeführt,
um „noch schneller“ sein zu können.
ÜBERSTEUERN ist ein recht instabiler Fahrzustand und kann im Bereich der StVO sehr schlimme Folgen haben.
Auf der (Rallye-) Rennstrecke kann Übersteuern sinnvoll sein.
ERFAHRUNGSBERICHT:
Übersteuern mit meinem 93er Opel Vectra –A (Frontantrieb):
Eines Winters fuhr ich auf schneeglatter Land-Straße mit meinem Vectra mit unangepasster Geschwindigkeit auf eine Kurve zu.
Zu spät bemerkte ich,
dass es in der Kurve noch glatter als auf der Geraden war.
Ich war also schon etwas in der Kurve drin,
die Vorderräder eingeschlagen.
Erschreckt ging ich vom Gas.
Das Heck brach aus.
Der Wagen stellte sich quer.
Der Straßengraben kam näher.
Gegenlenken half nicht.
Ich gab Gas.
Die Vorderräder zogen den Wagen wieder gerade.
Das Übersteuern hörte auf,
der Wagen kam halbwegs gerade aus der Kurve raus.
Ich fuhr weiter.
Allerdings etwas langsamer.
Ach so – 14 Tage vorher hatte ich ein Intensiv- Sicherheitstraining (SHT) beim ADAC absolviert
und meinen Vectra SEHR GUT kennengelernt.
Ein SCH…Auto,
um es mal ehrlich zu sagen.
VIEL SCHLIMMER als alle Aygos zusammen.
Der Aygo ist richtig brav in Kurven und
verzeiht einem so manchen Fehler…
Der 93er Vectra –A nicht.
Was war mit dem Vectra passiert?
Zu spät bemerkte ich,
dass es in der Kurve noch glatter als auf der Geraden war.
-> hätte ich in diesem Moment VOLL auf die Bremse getreten,
hätte der Wagen nicht übersteuert sondern untersteuert,
d.h. die V.A. hätte nicht gleichzeitig LENKEN und BREMSEN können,
der Wagen wäre geradeaus aus der Kurve gerutscht.
Geradeaus in den Graben heißt:
Auto kaputt, Fahrer heile, keine weiteren Probleme.
Ich war aber schon etwas in der Kurve drin,
die Vorderräder eingeschlagen.
Erschreckt ging ich vom Gas.
Das Heck brach aus.
-> weil ich nur leicht verzögerte,
konnten die Vorderräder weiter die Spur halten.
Durch die dynamische Achslastverschiebung nach vorne
wurde die HA zu leicht und verlor so an Grip,
konnte die Spur nicht mehr halten und
fing an zu rutschen.
NACH AUßEN!
Der Wagen stellte sich quer.
Der Straßengraben kam näher.
GEGENLENKEN!
Leider blieb ich weiter nicht auf dem Gas und
ich bremste auch nicht STARK.
So konnte die V.A. weiter die Spur halten,
aber die HA rutschte weiterhin nach außen,
die Drehbewegung (Pirouette) wurde eingeleitet.
Gegenlenken half nicht viel.
Ich gab (etwas) Gas.
(Ich hätte auch VOLL auf die Bremse treten können,
dadurch hätte der Wagen UNTERsteuert usw. s.o.)
ABER durch das Gas geben wurde die „langsame“ V.A. schneller,
die HA also „relativ“ langsamer,
die Pirouette also verlangsamt,
das Übersteuern abgemildert.
Die Vorderräder zogen den Wagen wieder gerade.
Das Übersteuern hörte auf,
der Wagen kam halbwegs gerade aus der Kurve raus.
Allerdings ging ich damit ein erhebliches Risiko ein, denn…
- insgesamt verlangsamte sich das Tempo des Fz.‘s nicht,
d.h. die mögliche oder wahrscheinliche Aufprallgeschwindigkeit auch nicht…
- außerdem bewegte sich der Wagen weiterhin quer zur Fahrtrichtung,
bei einem Aufprall (auf wen oder was auch immer) hätte ich noch nicht einmal einen Seitenairbag gehabt…
- wenn es nicht geklappt hätte, wäre der Wagen in einer unkontrollierten Drehung geblieben, die ich NIEMALS hätte abfangen können.
Ich hatte Glück.
(Danke an das Instruktoren-Team vom ADAC!)
Ich fuhr weiter.
Gute Fahrt – VG – jo.
Manchmal kriege ich nicht das,
was ich will,
sondern etwas viel besseres.
(unbek. Verf.)
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