Ich sags ungern, aber ich kann nicht umhin, doch vorauszuschicken, dass mir etliche Deiner Fragen die Haare zu Berge stehen lassen.
leonardo2 hat geschrieben:war wie immer bei ATU
Seit wann sind die für Automobile, die nicht von einem der sogenannt deutschen Hersteller gebaut wurden, kompetent?
Grundsätzlich übersetzt man ATU mit Anfänger treiben Unfug, erst recht, wenn man nicht AudiVWSkodaSeat fährt.
leonardo2 hat geschrieben: und dort haben sie die Bremsflüssigkeit mit einem Messgerät geprüft und die hatte noch kein Wasser gezogen.
Kann man so machen, und das macht nicht nur ATU so. Ganz koscher ist die Methode dennoch nicht; aus folgenden Gründen:
- Sollte ein windiger, findiger Mechaniker mal auf die Idee gekommen sein, ein "Bremsflüssigkeitswechsel" gehe schneller und billiger, wenn man nur das Ausgleichsgefäss leer macht und da dann etwas neue Flüssigkeit einfüllt, ergibt ein Test selbstverständlich, dass man sie nicht wechseln muss. Den wichtigen, weil den arbeitenden Teil der Bremsflüssigkeit hat man ja aber nicht getestet.
- Der Test mit Flüssigkeit aus dem Ausgleichsgefäss sagt nicht sehr viel aus darüber, wie die Bremsflüssigkeit am Radbremszylinder beisammen ist, und auch nicht wirklich viel darüber, wie die im Hauptbremszylinder aussieht.
- Das Hydrauliksystem der Bremse hat keinen Rücklauf. Die Flüssigkeit wird also nicht umgewälzt und somit auch nicht nennenswert gemischt. Ist ein Teil des Bremssystems leicht undicht und zieht Feuchtigkeit, wird das also oben am Ausgleichsgefäss nicht messbar sein. Verlässt man sich zu lange auf die Messung und merkt z.B. nicht, dass unten ein Radbremszylinder undicht ist, zieht die Flüssigkeit dort Wasser und der Bremskolben kann dann in Ruhe festrosten... Reparatur wird dann sehr viel teurer als neue Bremsflüssigkeit. Vom Sicherheitsrisiko red ich mal gar nicht. Mit Sicherheitsargumenten erreicht man Leute, die meinen, an sensiblen Bremsenteilen ohne weiteres Sparen zu können, ohnehin nicht.
- Hat Dir schon mal jemand gesagt, warum man Bremsflüssigkeit bei allen PKW und bei allen Marken alle zwei Jahre austauschen soll? Weil die eben mit der Zeit Wasser zieht. Nun hat neue, wasserfreie Bremsflüssigkeit einen Siedepunkt weit über 100°C. Wasser kocht dagegen bkanntlich bei recht genau 100°C. Hydraulische Systeme - und die Bremse ist ein solches System - basieren darauf, dass sich Flüssigkeiten nicht komprimieren lassen, also Druck gut übertragen. Bremsen werden sehr heiss. Weit über 100°C, wenns dumm geht. Das Wasser in der Bremsflüssigkeit verdampft bei 100°C. Wasserdampf ist dann aber ein Gas, und eben keine Flüssigkeit mehr. Wasserdampf aber kann man sehr gut komprimieren. Hast du nun Wasser in der Bremsflüssigkeit, und die Bremsflüssigkeit wird dummerweise heiss, und noch dummerweiser heisser als 100°C, dann wird aus dem Wasser Wasserdampf. Wenn Du nun aufs Bremspedal trittst, wird dieser Dampf komprimiert, und erst wenn das passiert ist und das Bremspedal dann noch nicht am Boden aufgeschlagen ist, wird die Bremsflüssigkeit den Druck weitergeben und damit den Radbremskolben bewegen, welcher dann via Bremssattel die Bremsbeläge an die Scheiben drückt und somit bremst.
leonardo2 hat geschrieben:So meinte der Techniker, Wechseln kostet nur unnötig Geld.
Also lass ichs bleiben, auch wenn im Wartungsheft steht, alle 2 Jahre soll gewechselt werden.
Was meint Ihr dazu ?
Wenn Du also ganz sicher bist, dass die Radbremsen und auch das gesamte restliche Bremssystem 100% dicht ist und somit die Flüssigkeit überall im System keinesfalls Wasser ziehen konnte, dann kannst Du Dich auf die Messung am Ausgleichsgefäss verlassen. Aber nur, wenn Du auch genauso Sicher bist, dass das Messgerät in Ordnung ist und korrekt bedient wurde.
leonardo2 hat geschrieben:Ist doch wahrscheinlich nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Citroen Werkstätten.
Ist es sicher nicht. Selbst wenn der Mechaniker an sich recht hat, und nach zwei Jahren ein Wechsel meist wirklich noch nicht absolut unaufschiebbar wäre, So ist das doch eine der wichtigsten sicherheitsrelevanten Wartungsvorgaben überhaupt. Im Gegensatz zu den Bremsscheiben, -belägen und vielen anderen sicherheitsrelevanten Teilen, nicht nur an der Bremse, kannst Du die Bremsflüssigkeit eben nicht genügend einschätzen, eben weil Du dort wos wirklich drauf ankommt, keine Probe zur Messung nehmen kannst. Da gehts nun mal leider nicht anders, als vorbeugend zu warten. Du würdest nämlich erst dann merken, dass ein Bremsflüssigkeitswechsel wirklich unbedingt und unaufschiebbar nötig ist, wenn Du beim Bremsen ins Leere trittst. Also wenn Du das Pedal durchtrittst und die Karre nicht oder nur schwach bremst. Oder dann, wenn Dir irgendwann der Mech bei einer Inspektion eröffnet, dass Du für paar hundert Euro einen neuen Bremssattel mit Kolben nebst Belägen und Scheiben brauchst, weil ein Bremskolben verrostet ist...
leonardo2 hat geschrieben:So hat mich Inspektion 3 mit 10W40 gerade mal 30 Euro gekostet.
Die hatten gerade eine Gutschein Aktion im Web.
Inspekion 3 hat sich dann ja auch auf einen Ölwechsel beschränkt. Bei ATU wär ich mir da noch nicht mal sicher, ob die den Filter auch, wie vorgeschrieben, gewechselt haben. 10W-40 ist ausserdem kein wirklich gutes Öl. Meist sind das teilsynthetische oder gar mineralische Öle. Sowas würde ich nicht wollen.
leonardo2 hat geschrieben:Noch eine Frage allgemein, im Wartungsheft steht, daß alle Jahre Ölwechsel ansteht, ist das nicht auch total übertrieben ?
Nein. Bei 10W-40 unbekannter Qualität schon gar nicht. Der Motor hat keine 3.5l Öl, und da ist die Reserve auch schon dabei. Das sollte dann wenigstens alle 15'000km gewechselt werden. Ich wechsle das sogar alle 10'000km, und fülle besseres Öl ein. Ich machs aber auch selber...
Wenn Du ausserdem mal gesehen hast, wie klein der Ölfilter ist, und was sich da so rausquillt nach 10'000km, verabschiedest Du dich freiwillig von dem Plan, den samt der Ölfüllung 30'000km fahren zu wollen. Siehs Dir selber an, wenn Du mir nicht glaubst.
leonardo2 hat geschrieben:Sollte man das nicht einfach ab jetzt 30000 an den KMs festmachen ?
Nein. Siehe oben.
leonardo2 hat geschrieben:Das meinte der Techniker bei ATU nämlich auch, wenn wenig gefahren wird, ist es idiotisch jährlich das Öl zu wechseln und hat mir die nächste Inspektion bei Tachostand 50000 eingetragen.
Im Kurzstreckenbetrieb werden Motor und Motoröl stärker beansprucht, als wenn man viel und lange Strecken fährt. Ich könnte nun des langen und Breiten erklären warum. Nur soviel: Kondenswasser im Öl ist unvermeidbar. Wasser ist ein schlechter Schmierstoff und kann erst bei 100°C verdampfen. Wenn der Motor und mit ihm das Öl nie recht warm werden, bleibt das Wasser also im Öl. Daher sollte man das Öl eher öfter wechseln, wenn man wenig fährt. Zudem altert Öl auch, wenn das Auto nur rumsteht. Es ist also auch deshalb nicht ratsam, die Ölwechselintervalle zu überdehnen. Erst recht nicht ums Doppelte. Ich sagte es einleitend schon: Unfug!
leonardo2 hat geschrieben:Jetzt noch eine Frage zu den Reifen in die Runde.
Beim Fahren wachelt nichts an der Lenkung oder sonstwo.
Sollte man die 8 Reifen die wir haben, trotzdem mal mal frisch auswuchten lassen ?
Ich dachte, Du möchtest keine Arbeitsbeschaffungsmassnahmen finanzieren? Nur soviel: bei >80km/h wirst Du es sicher merken, wenn die Reifen ausgewuchtet werden müssen. Wenn Du nichts merkst, muss auch nichts ausgewuchtet werden. Da darfst Du guten Gewissens sparen.
Meine Räder sehen die Wuchtmaschine in der Regel nur wenn neue Reifen montiert werden. Beim Wechsel wird das Anzugsmoment der Radmuttern geprüft und der Reifendruck passend gemacht. Gewuchtet hat man die bei der Montage, das reicht, es sei denn, die Reifen sind nichts wert, oder es wären Wuchtgewichte verrutscht oder verloren gegangen. Das merkt man aber sehr gut, spätestens auf der Landstrasse.