Subwoofer unterm Sitz und Endstufe hinterm Handschuhfach




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Subwoofer unterm Sitz und Endstufe hinterm Handschuhfach

Beitragvon pacificblue » 26.03.2008, 20:11

Hallo, Leute,

nachdem die beiden obigen Themen ja echte Dauerbrenner sind, traf es sich gut, dass ich beide bei unserem Aygo verwirklichen wollte.

Hier sollte der Subwoofer hin. Wie man sieht, ist das Verstellgestänge des Sitzes in der Mitte nach oben gebogen. Als ob bei Toyota einer gewusst hätte, dass da Platz für einen Tieftöner bleiben muss...
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Kurzes Nachmessen ergab 480 mm Breite, 185 mm Länge und 110 mm Höhe. Die Höhe sollten Interessierte auf 100 mm reduzieren. Mit den 110 mm hat es zwar gepasst. Ich musste jedoch ein paar Entlastungsschnitte am Teppichboden durchführen. Der Teppich liegt nämlich unter dem Sitz nicht ganz auf dem Boden auf. Durch die 110 mm hohe Kiste wird er beim Wiederanschrauben des Sitzes so stark nach unten gedrückt, das er unter der Türdichtung weggezogen wird.

Hier ist die 110 mm hohe Kiste. Um möglichst viel Innenvolumen zu kriegen, habe ich 10 mm Buchenschichtholz genommen. Das ist bei dem kleinen Gehäuse fest genug. Ein paar Verstrebungen und der Klopftest war ok. Eingebaut ist ein Tangband W6-1139SH, der mit dem kleinen Gehäuse gut klar kommt. Geschmäcker sind verschieden und der Eine oder Andere wird da andere Favoriten haben. Seine 45 € ist er jedenfalls wert. Sowohl vom Klang als auch von der erzielbaren Lautstärke her. Ich hatte das Gehäuse zuerst als Baßreflex ausgeführt. Hat sich besser angehört, mit mehr Autorität. Der Spaß war schnell vorbei, wenn die Lautstärke über Zimmerlautstärke ging. Dann war die Reflexöffnung einfach zu klein und man hörte heftige Pumpgeräusche. Größeres Rohr ging nicht, weil das von der Länge her nicht ins Gehäuse gepasst hätte. Also habe ich die Öffnung verschlossen. Hat trotzdem noch genug Druck und Tiefgang.
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Probeliegen.
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Hier kann man mehr oder weniger gut erkennen, dass sich der zur Verfügung stehende Platz nach oben hin erweitert. Und man sieht auch, dass links etwas mehr Platz in Längsrichtung zur Verfügung steht für alle, die noch den letzten Kubikzentimeter aus dem Gehäuse rauskitzeln wollen oder müssen. Ich habe die Maße so gewählt, damit die hinten Sitzenden noch Platz für die Füße haben.

Sitzt, wackelt und hat Luft.
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Von vorne sieht es aus als ob die Sicke bei großer Auslenkung am Sitzgestänge anschlägt. Ist aber eine optische Täuschung, wie man von hinten sieht. Trotzdem ist es für größere Tieftöner sinnvoller, das Chassis über die Sitzbreite zu mitteln und nicht über die Gehäusebreite.
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Nun die Endstufe. Ist nur eine Kleine. Die beste Aygo-Fahrerin von allen hat mir nur ein begrenztes Budget (100 € für Alles zusammen) für's Pimpen zugestanden. Deshalb habe ich eine ge-ebay-te 4x40 W Alpine eingesetzt, die auch an 2-Ohm stabil spielt und wunderbar klein ist.
Da soll sie hin. So sieht das aus, wenn man auf dem Boden liegt und schräg nach oben guckt. Das nackte Blech ist die Wand rechts neben den Füßen des Beifahrers - wenn man einen hat und da nicht stattdessen gerade einer liegt und schräg nach oben guckt!
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Und da ist sie drin. Ja, ich weiß, die Kabel kann man mit Lineal und Anschlagwinkel verlegen. Man kann es aber auch lassen. Tut der Funktion keinen Abbruch.
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Wichtig für die Leute, die möglichst wenig am Fahrzeug verändern möchten oder dürfen, die Befestigungsmöglichkeiten. Auf dem Foto ohne Endstufe sieht man rechts unten drei Löcher. Das vierte und wichtigste verschwindet gerade hinter der Isolierwolle. Das sitzt nämlich ein Gewindeloch M6. Rechts in der Mitte ist ein Stabilisierungswinkel. Da sitzt (halb von der Isolierwolle verdeckt) ein Langloch, in das man prima von hinten eine (M6-er) Schraube durchstecken kann. Das prima ist natürlich ironisch gemeint, denn da bricht man sich ganz schön die Finger. Von vorne mit einer Mutter kontern und schon hat man den zweiten Befestigungspunkt. Nun haben Endstufen eher selten genau die passenden Lochabstände und auch selten Löcher für 6-er Schrauben. Also Lochband (das Weiße auf dem Foto) drangeschraubt und das Lochband an den beiden Befestigungspunkten fixiert. Fertig. Hält bombenfest und es klappert auch nichts, denn die Endstufe liegt teilweise auf der Dämmwolle.

Zur Kabelverlegung. Auf http://aygo.kakteenschmidt.de befindet sich die Anschlussbelegung der Lautsprecher am Radio. Stimmt alles, bis auf eins.
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Wie man sieht, haben alle Drähte am braunen Stecker die gleiche Farbe. Trotzdem, die Anschlussbelegung stimmt und die Farben an den Lautsprechern sind so, wie beschrieben. Nur eben nicht am Radio. Irgendwo unterwegs werden die Farben wohl an irgendeiner Klemmstelle geändert.

Um die Kabel vom Radio zur Endstufe zu kriegen, gibt es im Handschuhfach oben eine Klappe. Keine Angst, da sitzt zwar der Airbag drüber, aber es kann nichts schiefgehen. Diese Klappe wird in den Techdocs ausdrücklich zur Kabelverlegung gewählt. Es ist immer noch eine Heidenfummelei. Ohne die Klappe wäre es schlimmer.

Das Resultat. Eine deutliche Verbesserung, vor allem vom Spaßfaktor her. Viel laut und viel BUMM. Alles klingt viel erwachsener. Die Serienlautsprecher verfärben noch immer ins Nasale. Aber es klingt jetzt nicht mehr nach Kofferradio mit leeren Batterien. Besser als der Toyota-Nachrüst-Sub ist der Tangband auf jeden Fall.

Ich hoffe, die Informationen helfen allen Subwooferuntermsitzplanenden weiter, auch wenn Ihr andere Chassis nehmt, Gehäuse auf Maß laminiert, größere Verstärker einsetzt und, und, und. Mir hat das Basteln jedenfalls Spaß gemacht, den Rücken verrenkt und ein Freude spendendes Probehören beschert.

Nun muss ich noch etwas Überzeugungsarbeit leisten, damit ich die Serientröten noch tauschen darf. Ich habe den Wagen zwar bezahlt, aber deswegen gehört er mir ja noch lange nicht. Und deshalb darf ich damit auch nicht einfach machen, was will ich. Wäre ja noch schöner.
Ich werde die beste Aygo-Fahrerin von allen mal zu einem schönen Hörvergleich mitnehmen. Vielleicht Auto-Hifi-Messe oder sowas.
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von Anzeige » 26.03.2008, 20:11

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Beitragvon madliz » 26.03.2008, 21:48

Find ich super! Gute Dokumentation mit Bildern.
Der Einbau scheint eine ideale Lösung, wenn man's versteckt haben will!

Grz. Madliz
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Beitragvon floorcable » 26.03.2008, 22:12

Sehr schön! *Daumen hoch* Wünsch der besten Aygo Fahrerin von allen viel Spass und einen wachsenden Sinn fürs Audiophile :D

Und an den Meeresblauen Autor ein genauso großes Dankeschön für alle bisherigen Tips und Tricks.

Sobald ich meinen Aygo habe gilt es die beste Aygo Beifahrerin von allen zu begeistern...

Grüße
Dirk
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Beitragvon 107 Tobi » 27.03.2008, 00:04

Merci für die Bilder.
Habe einige Tangbands durchsimuliert und komme da auch immer auf tendenziell sehr lange Bassrefelxrohre. Hier könnten Passivmembran interessant werden.

mfg Tobi
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Update

Beitragvon pacificblue » 28.03.2008, 23:52

Gerade komme ich mit breitem Grinsen von einer 2-stündigen Hörprobefahrt.
Heute mittag habe ich mich mal ein bisschen mit der Frequenzweiche beschäftigt. Der Verstärker hat ja keine eingebaute, also habe ich erstmal auf passiv gesetzt. Ich hatte zuerst eine drin, die zu einem dahingeschiedenen Peerless-Subwoofer gehörte. Die habe ich wieder rausgeschmissen, meine Bastelkiste aus dem Keller geholt und die größten auffindbaren Spulen vor den Subwoofer gebaut. Messequipment hatte ich nicht zur Hand, deshalb musste ich mich auf meine altersschwachen Ohren verlassen.

Erstmal die Phase hin- und hergedreht, falsch herum verbesserte den Klang merklich. Noch ein bisschen eingepegelt und dann schon soviel Spaß gehabt, dass ich keine weiteren Bauteilexperimente mehr machen brauchte. Dieser Winzling von Subwoofer ist genial. Nicht auszudenken, wenn man den mit einer Aktivweiche mal so richtig optimal ansteuert.

Aber auch so schon, das Näseln von den Serienlautsprechern ist wie weggeblasen, der Subwoofer kraftvoll, aber nicht einzeln herauszuhören oder gar zu orten. Die Anlage ist in alle Richtungen gewachsen. Tendenziell geht der Klang eher Richtung Spaß als Richtung Audiophil. Egal ob beliebige Arten von Rock, Reggae, Discomucke, Latino-Pop oder Swing, Alles ermunterte zum Mitwippen und -singen. Selbstverständlich habe ich mich dabei streng an die Verkehrsregeln gehalten. :mrgreen:

Übrigens war auch Klassik erträglich und die einschlägigen Frauenstimmen haben wie gewohnt überzeugend Gänsehaut produziert. Alle Sänger/innen waren sofort an ihren Stimmen zu erkennen. Ebenso die natürlichen Instrumente. Also gibt es scheinbar keine allzu groben Fehler bei der Abstimmung.

Ab einer gewissen Lautstärke schnarren jetzt die Lautsprecherabdeckungen in den hinteren Seitenverkleidungen. Ich warte mal ab ob es die beste Aygo-Fahrerin von Allen stört, wenn sie am Sonntag aus Spanien wiederkommt. Man hört es nur im Stillstand. Während der Fahrt wird das Gerappel von den Fahrgeräuschen und der Musik erfolgreich übertönt. Im Zweifelsfall klebe ich sie fest. Die bleiben sowieso drin.

Und die vorderen jetzt wohl auch, denn das erzielte Ergebnis passt sehr genau zu den Hörgewohnheiten meiner Liebsten. Und es ist soviel besser als vorher, jetzt lässt sie sich bestimmt nicht zu neuen Frontsystemen überreden.

Kleiner Tip zum Schluss. Ich konnte bei diesem Projekt eine Erfahrung von früher wiederholen. Bei so kleinen Hauptlautsprechern wird oft empfohlen, sie über einen Hochpass von tiefen Frequenzen zu entlasten. Das erhöht die Belastbarkeit und soll Klangverfärbungen durch Dopplerverzerrungen reduzieren.
Bezüglich der Belastbarkeit sollte jeder anhand seiner Hörgewohnheiten abschätzen ob das ein Thema ist. Meistens ist es keins, denn bei fast allen in frage kommenden Lautsprechern reicht weniger als 1 Watt für Lautstärken, die laut Arbeitsstättenverordnung Gerhörschutz erfordern.
Den Unterschied zwischen Dopplerverzerrungen haben und nicht haben, kann man klanglich meistens und im vorliegenden Fall auf jeden Fall vernachlässigen. Da wird oft behauptet, der Lautsprecher klingt dann weniger "angestrengt". In Wirklichkeit handelt es sich dabei um einen psychoakustischen Effekt, weil das Gehirn fehlenden Bass hinzuzurechnen versucht. Angestrengt ist dabei tatsächlich das Gehirn. Ein ordentlich abgestimmter Subwoofer kompensiert diesen Effekt auch ohne Hochpass für die Hauptlautsprecher.

Der Betrieb ohne Hochpass bietet dagegen ein paar andere Vorteile. Die ohnehin schon hohe untere Grenzfrequenz wird nicht noch weiter nach oben verschoben, bzw. der natürliche Pegelabfall wird nicht noch durch eine Weiche verstärkt. Dadurch kann die obere Grenzfrequenz des Subwoofers niedriger gewählt werden. Wenn man die Übernahmefrequenz passend zum natürlichen Pegelabfall der Hauptlautsprecher wählt, benötigt man für einen symmetrischen Flankenverlauf einen entsprechend weniger steilen Tiefpass. In Summe wird dadurch die Ortbarkeit des Subwoofers erschwert und damit die Einstellung erleichtert. Ruhig mal ausprobieren und dann selbst entscheiden. :wink:
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Beitragvon cdet » 29.03.2008, 09:57

Klasse geschrieben, klasse gemacht.
Insbesondere der letzte Tip ist sehr interessant, und eine Meinung gegen den Mainstream gefällt mir sowieso... :wink:

Zu den LS-Kabeln:
Bei meinem Aygo (EZ 03.06) sind die Farben noch unterschiedlich.
Sogar die Kabelstärken vorne/hinten (zumindest der Außendurchmesser am Mantel) sind unterschiedlich.

cdet

edit: ach so, nochwas: das Problem mit den Befestigungsschrauben und nicht passenden Löchern hatt ich auch schon öfter, nicht nur beim Auto.
Ich fahre gleich mal los und hole mir so'n Lochband... :lol: guter Tip!
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Re: Subwoofer unterm Sitz und Endstufe hinterm Handschuhfach

Beitragvon i-go-83 » 05.10.2015, 10:45

Danke für die kleine Anleitung!

Ich hab mich am WE auch aufgerafft und eine Kiste mit diesen Maßen gebaut, geht von der Höhe her allerdings tatsächlich recht knapp zu.

Verwendet hab ich nen Helix pp7w, 16 cm Durchmesser und 2x 2 Ohm, da der Tang Band mittlerweile relativ teuer geworden ist und der Helix für gerade mal 45 € zu haben ist.
Laut WinISD benötigt er ca. 5,8 Liter netto, sodass ich zzgl. Chassis und Reflexrohr auf die 6,8 Liter Brutto komme, die die Maße ergeben, wenn ich 1 cm starke MDF-Platten nehme.
Als Reflexkanal hab ich ein 50 mm Abflussrohr aus dem Baumarkt verwendet, da der Hifi-Laden um die Ecke nichts entsprechendes auf Lager hatte.
Inklusive Holzleim kam mich der ganze Spaß auf immerhin stolze 60 € für Sub und Gehäuse! :wink:

Zum Gehäusebau:
Maße des Gehäuses waren 48 cm x18,5 cm x 11 cm
Reflexkanal 50 mm Außendurchmesser, Länge 23,5 cm
Abstimmfrequenz waren 56 Hertz.
Platz für den Reflexkanal ist eigentlich nur auf der rechten Seite hinten unten. Beim Aussägen also möglichst dicht am Boden und der Rückwand bleiben.
Woofer nicht mittig, sondern gute 2 cm nach links versetzt und bündig mit der vorderen Gehäuseseite installieren, da es ansonsten Probleme mit dem Platz für den Reflexkanal gibt.
Ansonsten Verstrebungen anbringen, schön verleimen und eine Seite evtl. verschrauben, damit man die Kiste im Bedarfsfall nochmal öffnen kann.

Zum Klang:
Für das Geld und den überschaubaren Aufwand eine durchaus gelungene Lösung. Spielt zwar nicht sooo tief und laut, ergänzt aber das Frontsystem (Helix e4x) hervorragend.
Der 16er spielt schön knackig trotz Bassreflex und bringt die Bässe recht druckvoll und sauber rüber.
Trennfrequenz ist relativ hoch bei 100 Hertz mit 24 dB, da ich das Frontsystem erst ab 100 Hertz spielen lasse.

Wer mehr Druck braucht, sollte sich dann evtl. doch für ein Langhubchassis entscheiden und mehr ausgeben. Für den Alltagsgebrauch und meine Holde reichts jedoch allemal.

Betrieben wird der Helix übrigens von meiner alten Emphaser EA2150, die sich unterm Fahrersitz befindet.


VG, Sven
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